Wird die GTVS zum ETIKETT? Geschichte einer Umstellung

Dies ist die Geschichte der Umstellung einer OVS in eine GTVS und verschiedenste Aspekte daran, die aus unserer Sicht beispielgebend für bildungspolitische Entscheidungen in dieser Stadt sind.

In dieser Geschichte geht es um eine OVS in einem gründerzeitlichen relativ engen Bau in einem Bezirk innerhalb des Gürtels, Nennen wir sie Standort A. In diesem Bezirk gibt es bis dato noch keinen GTVS Standort und erklärtes Ziel der Bildungsdirektion ist ab sofort pro Jahr zehn neue GTVS Standorte in Wien zu schaffen. Auch die Bezirksvorsteherin wünscht sich schon seit Jahren einen GTVS Standort im Bezirk.

Vor wenigen Jahren wurde einer der Volksschulstandorte im Bezirk umgebaut, nennen wir ihn Standort B, auch eine OVS. Die Schule ist auch ein Gründerzeitbau, aber viel großzügiger, breitere Gänge, größerer Innenhof, mehr Räume. Der Umbau war an die Bedingung geknüpft, dass diese Schule die künftige GTVS im Bezirk werden würde. Es wurden neue Räumlichkeiten geschaffen. Der Turnsaaltrakt vollkommen erneuert, der Hof attraktiver gestaltet. Unter vielen Eltern war klar, dass das der künftige GTVS Standort des Bezirks sein werde. Daher haben sich auch seit Jahren Familien, die ihr Kind lieber in einer OVS wissen wollten am Standort A dieses Bezirks angemeldet. Nach Abschluss der Renovierungsarbeiten weigert sich die politisch konservativ gut vernetzte Direktorin des Standorts B, ihren Standort in eine GTVS umzuwandeln. Standort B bleibt eine OVS. Gleichzeitig wurde den Schulen im Bezirk jahrelang vermittelt, dass für extra Ausgaben in Sachen Ausstattung gerade leider gar kein Geld vorhanden sei, weil ja so viel Geld in den Umbau von Standort B geflossen sei.

Der Plan der Politik besteht jedoch weiterhin und so tritt die Bildungsdirektion mutmaßlich im November oder Dezember 2021 an die Direktorin des Standortes A heran und kündigt eine Prüfung an ob dieser Standort für eine GTVS geeignet sei und wie die Direktorin dazu stünde. Die Direktorin, es handelt sich übrigens um den einzigen Schulstandort im Bezirk mit Integrationsklassen, erhofft sich durch die von der Politik bevorzugte Schulform offensichtlich mehr Ressourcen für ihren Standort. Gleichzeitig fühlt sie sich offenbar überfordert, wie sie die geplante Umstellung den Lehrerinnen und Eltern vermitteln könnte, einerseits wegen eingeschränkte Möglichkeiten in der Coronapandemie sich in Person zu treffen, andererseits befürchtet sie, dass es Widerstand geben könnte und beschließt zugegeben wahrscheinlich mit Bauchweh über die geplanten Schritte gar nicht zu informieren. In den Prozess der Umwandlung von Seiten der Bildungsdirektion ist eine Information der Schulpartnerschaft anscheinend auch nicht zwingend vorgesehen. Am 22. Dezember ist die Prüfung der räumlichen Situation von Standort A und anderer uns nicht bekannter Kriterien seitens der Bildungsdirektion abgeschlossen. Die Direktorin erfährt, dass ab dem Schuljahr 2022/23 beginnend mit den ersten Klassen die Schule in eine GTVS umgewandelt wird. Noch immer wird niemand außer der Direktorin darüber informiert. Im Zuge der Schuleinschreibung im Jänner erfahren die Familien, dass ihr Kind in eine GTVS gehen wird. Vor allem für Familien mit älteren  Geschwisterkindern in der Schule kommt diese Information plötzlich und überraschend. 

Unsere Direktorin erklärte uns, dass in den nächsten Monaten ein Konzept für die neue GTVS erstellt wird, die Lehrer*innen hätten schon Ideen und würden sich schon Websites anderer GTVS-Standorte ansehen. Sehr dankbar wäre sie, wenn ich sie mit anderen Schulen vernetzen könnte, um Erfahrungen zu hören, aus denen sie lernen könne.


Was uns stutzig macht:

  • Die ursprüngliche Form der GTVS leidet momentan massiv unter Einsparungen und Problemen, wie zb dass Lehrerinnen keine Freizeitstunden am Vormittag halten dürfen oder einen Mangel an Freizeitpädagog*innen. Ein Mitarbeiter der Bildungsdirektion hat unserer Initiative gegenüber bestätigt, dass sich die Schulform der GTVS immer mehr der OVS angleicht. >> Kann es sich bei den geplanten 10 neuen GTVS pro Jahr um mehr als reine Umetikettierungen handeln?
  • Stetig wird betont wie wichtig die Schulpartnerschaft ist. Wie kann es sein, dass bei den geplanten Umstellungen, die tiefgreifend sind, es von Seiten der Bildungsdirektion keinerlei Vorgaben und auch Unterstützungsangebot für Schulleiter*innen gibt, wie die Eltern und Lehrer*innen gerade jetzt in schwierigen Pandemiezeiten informiert und in Entscheidungen eingebunden werden können?
  • Wie kann es sein, dass ein Schulstandort, der räumlich eindeutig nicht für die verschränkte Schulform geeignet ist, in eine GTVS umgewandelt werden soll? Und wie kann es sein, dass ein räumlich-baulich besser geeigneter Standort aufgrund von politischen Beziehungen OVS bleibt?
  • Ist die Volksschule bei der Umstellung auf eine GTVS tatsächlich auf sich selbst gestellt, wie diese konzipiert wird? Gibt es von Seiten der Bildungsdirektion hier keinerlei Guidelines? Ist die Schulleitung gänzlich auf gute Vernetzung mit anderen Schulen angewiesen?
  • Warum wird ausgerechnet der einzige Standort des Bezirks mit Integrationsklassen in eine GTVS umgewandelt? Für Kinder mit besonderen Bedürfnissen kann es schwierig sein, den ganzen Tag in der Schule zu verbringen, da gibt es oft große Herausforderungen, die jetzt schon oft nicht zu einer zufriedenstellenden Lösung für alle Beteiligte führen. Die Familien im Bezirk mit I-Kindern haben in Zukunft keine Wahlfreiheit was den Schultyp angeht, außer sie versuchen es in einem anderen Bezirk.